ESG Glas (Einscheibensicherheitsglas) ist Floatglas, das durch Erhitzen auf rund 600 °C und schnelles Abkühlen unter Spannung gesetzt wird. Bricht es, zerfällt es in kleine, weitgehend ungefährliche Krümel statt in scharfkantige Scherben.
Wer nach "was ist ESG Glas" sucht, will meist zwei Dinge wissen: Was unterscheidet gehärtetes Glas von normalem Glas, und wofür wird es gebraucht? Allein 2024 wurden in Deutschland rund 1,794 Millionen Tonnen Flachglas produziert, bei einer Gesamtglasproduktion von 6,661 Millionen Tonnen (Umweltbundesamt, Stand 04.11.2025), ESG-Glas macht davon einen relevanten Anteil aus. Wir klären hier beide Fragen kompakt, inklusive der Detailfrage, die viele Ratgeber auslassen: Ab wann braucht ESG eine Heißlagerung, und was bedeutet das für die Planung?
ESG Glas Eigenschaften im Überblick
Die wichtigsten ESG Glas Eigenschaften sind hohe Schlagfestigkeit, ein sicheres Bruchbild und deutlich höhere Temperaturwechselbeständigkeit als bei Floatglas.
Einscheibensicherheitsglas ist genormt nach EN 12150 und muss bestimmte Mindestwerte erfüllen:
- Bruchverhalten: zerfällt in kleine, stumpfkantige Krümel statt in scharfe Splitter
- Biegefestigkeit: mindestens 120 N/mm² nach DIN EN 12150-1; handelsübliches ESG erreicht durch Oberflächendruckspannungen von 100–150 N/mm², oft Werte über 200 N/mm².
- Temperaturwechselbeständigkeit: bis zu 200 K, gegenüber rund 40 K bei Floatglas.
- Kennzeichnung: dauerhaft mit Herstellerzeichen und Normbezeichnung "EN 12150" markiert
Damit ist gehärtetes Glas deutlich robuster als unbehandeltes Floatglas, ohne dabei die Transparenz zu verlieren. Technisch genauer gesagt: Der Vorspannprozess erhöht die Biegefestigkeit, nicht die Oberflächenhärte, "gehärtetes Glas" ist die gängige umgangssprachliche Bezeichnung, "thermisch vorgespannt" der präzisere Fachbegriff. Einen kompakten Vergleich der Biegefestigkeitswerte von Float-, TVG- und ESG-Glas liefert der Fachartikel von Glas Lotsen.
Wie wird eine ESG Glasscheibe hergestellt?
Bei der Herstellung wird die ESG Glasscheibe auf etwa 600 °C erhitzt und anschließend mit kalter Luft rapide abgekühlt. Dadurch entstehen Druckspannungen in der Oberfläche und Zugspannungen im Kern.
Als Basismaterial dient normales Floatglas, aber auch satiniertes Glas oder Ornamentglas lässt sich zu ESG-Sicherheitsglas härten. Wichtig für die Planung: Zuschnitt, Bohrungen und Kantenbearbeitung müssen vor dem Härteprozess erfolgen.
Kann man ESG Glas schneiden oder zuschneiden?
Nein. Ein ESG Glas Zuschnitt nach dem Härteprozess ist nicht möglich, jeder Versuch, die Scheibe zu schneiden, bringt sie sofort zum Bruch.
Das ist einer der am häufigsten unterschätzten Punkte bei der Planung. Wer eine Scheibe nachträglich kürzen oder eine Bohrung ergänzen möchte, muss eine neue ESG-Scheibe im passenden Maß bestellen. Alle Details zum Thema Zuschnitt erklärt unser Ratgeber Glas zuschneiden – was geht und was nicht.
ESG oder VSG
ESG ist eine einzelne gehärtete Scheibe mit sicherem Bruchbild, aber ohne Resttragfähigkeit nach dem Bruch. Verbundsicherheitsglas (VSG) besteht dagegen aus mehreren Scheiben mit reißfester PVB-Folie, die auch nach einem Bruch zusammenhält, etwa bei Geländern oder Überkopfverglasung. Nach DIN 18008-2 darf normales ESG als monolithische Scheibe zudem nur bis 4 m Höhe über einer Verkehrsfläche verbaut werden, da auch die Heißlagerung keine ausreichend niedrige Versagenswahrscheinlichkeit garantiert, darüber ist heißgelagertes ESG-H oder VSG vorgeschrieben.
Praxisnahe Einsatzempfehlungen für Sicherheitsglas liefert dazu auch das VFF-Merkblatt. Die vollständige Gegenüberstellung inklusive Auswahlkriterien behandeln wir ausführlich in einem eigenen Ratgeber zu Sicherheitsglas nach Maß: ESG oder VSG sowie demnächst in einem dedizierten Artikel "Was ist VSG Glas?".
Einsatzbereiche: ESG Glas für Dusche & mehr
Sicherheitsglas auf Maß mit ESG-Härtung ist überall dort erste Wahl, wo Schnittverletzungen vermieden werden sollen:
- Sicherheitsglas für die Dusche: Duschwände und Duschabtrennungen
- Ganzglastüren und Trennwände im Innenausbau
- Möbelverglasung, Küchenrückwände, Tischplatten
- Große Glasflächen wie Panoramafenster, wo eine stabile Einzelscheibe gefragt ist
- Als Basis für Floatglas-Weiterverarbeitung zu VSG oder Isolierglas
ESG Glas Dicke, Gewicht & Preis pro m²
ESG Glas gibt es typischerweise ab 4 mm bis 19 mm Stärke; für Duschwände sind 8 mm ESG Glas üblich. Das Gewicht berechnet sich mit 2,5 kg pro mm Dicke und Quadratmeter.
Eine 8 mm starke ESG-Scheibe wiegt also rund 20 kg/m². Der Preis pro m² hängt stark von Dicke, Format und Bearbeitung (z. B. Kantenschliff, Bohrungen) ab, pauschale Online-Preisangaben sind daher wenig aussagekräftig, eine individuelle Anfrage lohnt sich. Die genaue Gewichtsformel, Tabellenwerte und Praxisbeispiele finden Sie in unserem Rechner-Guide Berechnung Gewicht Glas.
ESG Glas kaufen: Worauf achten?
Vor dem Kauf von Sicherheitsglas lohnt sich ein Blick auf drei Punkte: die passende Dicke für die Anwendung, die Frage ESG oder VSG, und ob eine Heißlagerung nötig ist. Der Markt zieht dabei spürbar an: Der Sanierungsmarkt für Fenster in Deutschland soll 2025 laut Prognose von Bundesverband Flachglas und VFF um 3,5 % wachsen, während der Neubau um 5,5 % zurückgeht, ein Grund mehr, ein Projekt frühzeitig mit einem erfahrenen Fachbetrieb zu planen. Einen Überblick über die deutsche Glasindustrie insgesamt liefert der Bundesverband Glasindustrie.
Bei Adamer produzieren wir ESG seit 2011 in eigener Fertigung, die Sicherheitsglas-Herstellung erfolgt am Standort Kösching, insgesamt ist das Unternehmen an vier bayerischen Standorten vertreten. Zuvor war Adamer seit 1857 als klassische Glaserei tätig. Für Ihr individuelles Projekt beraten wir Sie gerne und fertigen millimetergenau nach Maß.
Was ist ESG Glas: kurz zusammengefasst!
ESG Glas ist thermisch gehärtetes Sicherheitsglas nach EN 12150: robust, mit sicherem Bruchbild, aber ohne Resttragfähigkeit und nicht nachträglich zuschneidbar. Es eignet sich für Dusche, Türen und Möbelverglasung; bei größeren Höhen oder Überkopfsituationen lohnt der Blick auf ESG-H oder VSG. Sie planen ein Projekt mit ESG Glas nach Maß? Kontaktieren Sie Adamer für eine unverbindliche Beratung.
Häufige Fragen zu Was ist ESG Glas
Welche Nachteile hat ESG-Glas?
ESG hat keine Resttragfähigkeit, bricht die Scheibe, fällt sie komplett aus. Zudem lässt es sich nach dem Härten nicht mehr zuschneiden oder bohren, und ab bestimmten Einbauhöhen ist zusätzlich eine Heißlagerung (ESG-H) vorgeschrieben.
Ist ESG-Glas bruchsicher?
Nein, ESG kann brechen. Es ist aber deutlich robuster als Floatglas und zerfällt bei Bruch in kleine, weitgehend ungefährliche Krümel statt scharfer Splitter.
Ist ESG Echtglas?
Ja. ESG ist echtes, thermisch gehärtetes Floatglas – kein Kunststoff und keine Folienverglasung. Der Härteprozess verändert nur die Spannungsverteilung im Glas, nicht das Material selbst.
Kann ESG-Glas springen?
In sehr seltenen Fällen, ja, mikroskopische Nickelsulfid-Einschlüsse können Jahre nach dem Einbau zu einem spontanen Bruch führen. Ein Heißlagerungstest (ESG-H) senkt dieses Risiko deutlich.
Wann braucht man ESG-Glas?
Immer dort, wo Verletzungsgefahr durch Glasbruch besteht, aber keine Resttragfähigkeit nötig ist – etwa bei Duschwänden, Ganzglastüren oder Möbelverglasung.
