Sicherheitsglas ist der Oberbegriff für Glasarten, die im Vergleich zu normalem Floatglas ein deutlich sichereres Bruchverhalten zeigen und dafür genormte Prüfungen bestehen müssen. Die beiden wichtigsten Vertreter sind ESG (Einscheibensicherheitsglas) und VSG (Verbundsicherheitsglas).
Wer nach "Was ist Sicherheitsglas" sucht, landet meist bei Artikeln, die ESG und VSG vergleichen und es dabei belassen. Was in den meisten Ratgebern fehlt: die Antwort auf die eigentlich entscheidende Frage, nämlich wann ein Glas überhaupt als Sicherheitsglas gilt und welche Norm das festlegt. Genau diesen normativen Rahmen holen wir hier nach, kompakt und ohne Juristendeutsch.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Sicherheitsglas ist ein Sammelbegriff, kein einzelnes Produkt, ESG, VSG und TVG sind die gängigsten Vertreter.
- Ob ein Glas als Sicherheitsglas gilt, entscheidet der Pendelschlagversuch nach DIN EN 12600, nicht das Bauchgefühl.
- ESG bricht in stumpfe Krümel, hat aber keine Resttragfähigkeit. VSG hält Splitter an einer Folie fest und bleibt auch nach dem Bruch im Rahmen.
- Für Überkopfverglasung, Absturzsicherung und begehbare Flächen schreibt DIN 18008 konkrete Sicherheitsglas-Anforderungen vor.
- Adamer produziert ESG und VSG seit 2011 in eigener Fertigung in Kösching, an vier bayerischen Standorten, nach über 165 Jahren Glaserei-Tradition seit 1857.
Was ist Sicherheitsglas?
Sicherheitsglas ist Flachglas, das durch thermische Vorspannung oder eine reißfeste Folie so verändert wurde, dass es bei Bruch entweder ungefährlich zersplittert oder zusammenhält. Geprüft wird dieses Verhalten im Pendelschlagversuch nach DIN EN 12600.
Im Alltag wird "Sicherheitsglas" oft synonym mit "bruchsicherem Glas" verwendet, technisch ist der Begriff aber enger gefasst. Nicht jedes robuste Glas ist automatisch Sicherheitsglas im normativen Sinn, erst wenn eine Glasart die Klassifizierung nach DIN EN 12600 durchläuft und je nach Bruchverhalten in eine Kategorie (A, B oder C) eingeordnet wird, spricht man korrekt von Sicherheitsglas. Diese Prüfung bildet nach, wie sich eine Scheibe beim Aufprall eines Menschen verhält, und ist seit 2001 die Referenz für die Sicherheitsverglasung im deutschen Bauwesen.
Sicherheitsglas kaufen bedeutet also nicht automatisch, ein bestimmtes Produkt zu bestellen, sondern eine Glasart zu wählen, die für den jeweiligen Einsatzzweck normgerecht geprüft ist.
Welche Arten von Sicherheitsglas gibt es?
Die drei gängigsten Sicherheitsglas-Arten sind ESG (Einscheibensicherheitsglas), VSG (Verbundsicherheitsglas) und TVG (teilvorgespanntes Glas), das meist als Basis für VSG dient. Ergänzend gilt auch Drahtglas als klassisches, wenn auch heute selten verbautes Sicherheitsglas.
Einscheibensicherheitsglas (ESG) kurz erklärt
ESG-Glas entsteht durch Erhitzen auf rund 600 °C und anschließendes Schockkühlen. Dadurch entstehen Druckspannungen, die das Glas schlagfest machen; bricht es dennoch, zerfällt es in kleine, weitgehend ungefährliche Krümel statt scharfkantiger Scherben. Eine Resttragfähigkeit nach dem Bruch hat ESG nicht. Die vollständige Herstellung, alle Eigenschaften nach EN 12150 und die typischen Einsatzbereiche erklären wir ausführlich im Ratgeber Was ist ESG Glas?
Verbundsicherheitsglas (VSG) kurz erklärt
VSG besteht aus mindestens zwei Glasscheiben, die durch eine reißfeste PVB-Folie fest miteinander verbunden sind. Bricht eine Scheibe, bleiben die Splitter an der Folie haften, statt herabzufallen, deshalb bleibt eine gewisse Resttragfähigkeit erhalten. Aufbau, Herstellung im Autoklaven und alle Einsatzbereiche vom Vordach bis zur einbruchhemmenden Terrassentür beschreibt unser Ratgeber Was ist VSG Glas? im Detail.
TVG und weitere Sicherheitsgläser
Teilvorgespanntes Glas (TVG) durchläuft ein ähnliches Verfahren wie ESG, allerdings mit langsamerer Abkühlung. Es bricht dadurch in größere, an Ort und Stelle bleibende Splitter und dient häufig als Basisglas für VSG-Aufbauten, etwa bei Absturzsicherungen. Drahtglas, in das ein Drahtnetz eingegossen wird, gilt ebenfalls als Sicherheitsglas älterer Bauart und findet sich heute noch in Brandschutz- und Bestandsbauten.
ESG oder VSG: Was ist der Unterschied?
ESG ist eine einzelne, thermisch gehärtete Scheibe ohne Resttragfähigkeit, ideal für Duschwände oder Glastüren. VSG besteht aus mehreren verklebten Scheiben, hält auch nach dem Bruch zusammen und ist damit die richtige Wahl für Überkopfverglasung und Absturzsicherung.
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Merkmal |
ESG (Einscheibensicherheitsglas) |
VSG (Verbundsicherheitsglas) |
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Aufbau |
Eine thermisch vorgespannte Scheibe |
Mindestens zwei Scheiben mit PVB-Folie |
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Bruchverhalten |
Zerfällt in kleine, stumpfe Krümel |
Splitter bleiben an der Folie haften |
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Resttragfähigkeit |
Nicht vorhanden |
Vorhanden, je nach Aufbau |
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Normgrundlage |
DIN EN 12150 |
DIN EN 14449 / DIN EN ISO 12543 |
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Typischer Einsatz |
Dusche, Glastüren, Möbelverglasung |
Überkopfverglasung, Balkongeländer, Einbruchschutz |
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Zuschnitt nachträglich |
Nicht möglich |
Nur bei VSG aus Floatglas möglich |
Eine ausführliche Gegenüberstellung inklusive Entscheidungshilfe für Ihr Projekt liefert unser Ratgeber Sicherheitsglas nach Maß: ESG oder VSG.
Welche Normen regeln Sicherheitsglas in Deutschland?
Maßgeblich sind DIN EN 12600 für die Klassifizierung im Pendelschlagversuch sowie die Normenreihe DIN 18008, die für tragende, absturzsichernde und begehbare Verglasungen konkrete Sicherheitsglas-Anforderungen vorschreibt.
Für Planer und Bauherren ist vor allem DIN 18008 relevant: Teil 2 regelt linienförmig gelagerte Verglasungen, Teil 4 legt fest, wann VSG bei Absturzsicherung zwingend ist, Teil 5 betrifft begehbare Glasflächen wie Stufen oder Brücken. Für öffentliche Gebäude wie Schulen oder Kindergärten gilt zusätzlich, dass Verglasungen bruchsicher im Sinne der Unfallverhütungsvorschriften sein müssen, ein Punkt, den private Bauherren bei Sanierungen leicht übersehen. Welche Norm im Einzelfall greift, hängt von Einbauhöhe, Nutzung und Absturzrisiko ab und sollte idealerweise vor der Bestellung mit einem Fachbetrieb geklärt werden.
Wo wird Sicherheitsglas eingesetzt?
Sicherheitsglas mit ESG-Härtung oder als VSG-Aufbau kommt überall dort zum Einsatz, wo Verletzungsrisiko oder Absturzgefahr bestehen:
- Fenster mit Sicherheitsglas in Erdgeschosswohnungen und bodentiefen Verglasungen
- Haustüren und Terrassentüren mit einbruchhemmender Wirkung
- Duschwände, Ganzglastüren und Möbelverglasung im Innenausbau
- Balkongeländer, Terrassenüberdachungen und andere Überkopfverglasungen
- Treppen, Stege und andere begehbare Glasflächen
Laut Bundesverband Flachglas ist widerstandsfähige Verglasung ein wirksamer Baustein gegen Einbrüche, ein Effekt, den auch die aktuelle Polizeiliche Kriminalstatistik stützt: 2025 wurden bundesweit 82.920 Wohnungseinbrüche einschließlich Versuche registriert, doch fast jeder zweite Versuch (44,9 %) scheiterte bereits an der Sicherungstechnik (polizei-beratung.de). Sicherheitsglas an Fenstern und Terrassentüren ist dabei einer von mehreren Bausteinen neben Beschlägen und Schließtechnik.
Sicherheitsglas nach Maß bestellen: Worauf achten?
Bei Sicherheitsglas nach Maß zählen drei Punkte: die richtige Glasart für den Einsatzzweck (ESG oder VSG), die passende Dicke inklusive Gewichtsberechnung und ein Fachbetrieb mit eigener Fertigung statt reinem Zuschnittservice.
Weil ESG nach dem Härten nicht mehr zuschneidbar ist, muss Zuschnitt, Bohrung und Kantenbearbeitung bereits vor der Bestellung feststehen. Bei VSG entscheidet zusätzlich die Foliendicke (üblich sind 0,38 mm oder 0,76 mm) über das fertige Maß. Für die Gewichtsberechnung gilt die Faustformel 2,5 kg pro Millimeter Glasdicke und Quadratmeter, bei VSG kommt das Gewicht der Folie hinzu. Die vollständige Formel mit Tabellenwerten und Praxisbeispielen liefert unser Rechner-Guide Berechnung Gewicht Glas.
Standardisierte Glasarten wie Floatglas oder Einscheibensicherheitsglas lassen sich direkt im Shop nach Maß konfigurieren. Bei Adamer produzieren wir ESG und VSG seit 2011 in eigener Fertigung am Standort Kösching, das Unternehmen ist insgesamt an vier bayerischen Standorten vertreten und blickt auf über 165 Jahre Glaserei-Tradition seit 1857 zurück. Allein 2024 wurden in Deutschland rund 1,794 Millionen Tonnen Flachglas produziert (Umweltbundesamt, Stand 04.11.2025), ein Markt, in dem Fachbetriebe mit eigener Fertigungstiefe wie Adamer zunehmend gefragt sind, wie auch der. Bundesverband Glasindustrie in seinen Branchenzahlen bestätigt.
Was ist Sicherheitsglas: kurz zusammengefasst!
Sicherheitsglas ist keine einzelne Produktkategorie, sondern der Sammelbegriff für Glasarten, die den Pendelschlagversuch nach DIN EN 12600 bestehen und je nach Anwendung zusätzlich DIN 18008 erfüllen müssen. ESG und VSG sind die praxisrelevantesten Vertreter, TVG ergänzt sie als Basisglas. Welche Variante die richtige ist, entscheidet der Einsatzzweck: ESG für Dusche und Möbel, VSG für Überkopfverglasung und Absturzsicherung. Sie planen ein Projekt mit Sicherheitsglas nach Maß? Kontaktieren Sie Adamer für eine unverbindliche Beratung.
Häufige Fragen zu Sicherheitsglas
Ist Sicherheitsglas dasselbe wie gehärtetes Glas?
Nicht ganz. Gehärtetes Glas (ESG) ist eine Art von Sicherheitsglas, aber nicht die einzige. VSG etwa wird nicht gehärtet, sondern durch eine Folie verklebt und gilt ebenso als Sicherheitsglas.
Welche Sicherheitsglas-Arten gibt es?
Die gängigsten sind ESG (Einscheibensicherheitsglas), VSG (Verbundsicherheitsglas) und TVG (teilvorgespanntes Glas), das häufig als Basisglas für VSG dient. Drahtglas gilt als ältere Sicherheitsglas-Variante.
Ist Sicherheitsglas gesetzlich vorgeschrieben?
In bestimmten Situationen ja, etwa bei Absturzsicherung, begehbaren Glasflächen oder in öffentlichen Gebäuden wie Schulen. Maßgeblich sind dann die Normenreihe DIN 18008 sowie landesrechtliche Bauvorschriften.
Wie erkenne ich Sicherheitsglas?
Normgerechtes Sicherheitsglas trägt eine dauerhafte Kennzeichnung mit Herstellerzeichen und Normbezeichnung, etwa "EN 12150" bei ESG. Ohne diese Markierung lässt sich die Glasart optisch kaum sicher bestimmen.
Was ist der Unterschied zwischen Sicherheitsglas und normalem Glas?
Normales Floatglas bricht in scharfkantige, große Scherben. Sicherheitsglas ist speziell behandelt oder aufgebaut, damit es entweder in ungefährliche Krümel zerfällt (ESG) oder auch nach dem Bruch zusammenhält (VSG).


